Jette" - ein Roman zum Vernaschen
"Jette" behandelt auf heitere Weise eine ernste Angelegenheit: Übergewicht.
Um authentisch über meine Romanheldin schreiben zu können,
habe ich 20 Kilo zugenommen.
Es war kein Streit. Nein, wirklich nicht. Eher eine … engagiert geführte Unterhaltung.
„Bist du irre?“ Mein Jüngster schaute mich fassungslos an.
„Wie bitte?“, fragte ich mit mütterlicher Strenge zurück.
„Du kannst dir doch nicht zwanzig Kilo anfressen!“
„Ich kann, und ich werde.“
„Das ist Selbstmord.“
„Übertreib nicht.“
„Großer, sag auch mal was!“, wandte sich mein Jüngster hilfesuchend an seinen älteren Bruder.
„Willst du dir das wirklich antun?“, nahm mein Ältester das Thema auf.
„Nur, damit ich authentisch über Jette schreiben kann.“
„Du bist erwachsen.“ Er zuckte die Achseln.
„Wohl eher dement“, widersprach mein Jüngster.
Ich lenkte ein. „Jungs, was spricht gegen einen Selbstversuch?“
„Die Optik?“ Mein Ältester, Ästhet, warf ein gewichtiges Argument in die Waagschale.
„Wie kommst du überhaupt auf die blöde Idee?“, fragte mein Jüngster entnervt.
„Durch einen übergewichtigen Zollbeamten.“ Das stimmte.
„Das sind Frustfresser“, behauptete der Große.
Ich wies ihn zurecht: „Gar nicht wahr! Außerdem bist du doch immer derjenige, der gegen Dicke wettert.“
„Ich wettere nicht gegen Dicke, sondern gegen ungesunde Lebensweisen. Wenn du unbedingt zunehmen willst, bitte sehr. Aber mit dem Gewicht bist du kurz vor adipös.“
„Die zwanzig Kilo habe ich schnell wieder runter“, verteidigte ich meinen Plan.
„In deinem Alter?“ Die skeptisch gerunzelte Stirn meines Jüngsten konnte ich beim besten Willen nicht übersehen.
„Was hast du bloß mit meinem Alter? Schließlich bin ich noch nicht vergreist. Es sollte zu schaffen sein, in ein paar Wochen wieder auf Normalgewicht zu kommen.“ Ich war in diesem Punkt sehr zuversichtlich, doch mein Ältester beraubte mich der schönen Illusion.
„Richte dich mal lieber auf ein paar Monate ein.“
„Also, für mich ist das Thema erledigt. Eine fette Mutter akzeptiere ich nicht“, stellte mein Jüngster klar.
Froh darüber, dass sich wenigstens mein Ältester sarkastische Bemerkungen verkniff, schloss ich mit ihm ein Gentleman Agreement.
„Ich werde das trotzdem durchziehen. Würdest du mich unterstützen?“
Wie immer beschränkte er sich auf das Notwendigste: „Klar.“
Mein Jüngster konnte es nicht lassen. „Na dann, viel Spaß – du wirst dämlich aussehen.“
„Hä?“
„Du wirst Übergrößen brauchen, deine anderen Klamotten passen dir bald sowieso nicht mehr.“
Das war ein Argument, das sich nicht von der Hand weisen ließ. Meine Eitelkeit kämpfte gegen meinen Ehrgeiz.
Der Ehrgeiz siegte.
Damit war das Thema durch …
Ich schrieb das Buch.